Pastor Holzauge, muss man jeden Sonntag zum Gottesdienst gehen?
Jeder weiß, dass nur das in seinem Leben von Bedeutung ist, wofür er sich Zeit nimmt. Was in der Zeit nicht vorkommt, fehlt im Leben.
Mancher sagt, er könne Gott auch in der Natur erfahren.
Dann kämen alle zu kurz, die zum Gottesdienst in eine Kirche gehen. Gott wirkt zwar überall, aber es hängt vom Verhalten der Menschen ab, ob sein Wirken bei ihnen zum Ausdruck kommt. Die Menschen schaffen Voraussetzungen für das, was Gott verwirklichen will oder sie tun es nicht. Die Liturgie soll den Teilnehmern die Voraussetzungen nahe legen, die ihnen die Begegnung mit Gott eröffnet.
Meinen Sie, dass wir eine Liturgie haben, die zu erkennen gibt, was Gott bewirken will?
Die Frage wäre überflüssig, wenn die Liturgie das, was sie vermitteln soll, einigermaßen deutlich machte. Das eine muss geglaubt werden: Gott teilt sein authentisches Menschsein mit. Dann aber kommt die Frage: Wie müssen wir uns verhalten, um sein Menschsein zunächst einmal anzunehmen. Die „Weitergabe“ kann sich erst anschließend im Umgang miteinander ereignen. Fragt man also, wie kommt es zum Ereignis dessen, was sie Liturgie „verkündigt“, also ermöglicht, stehen wir ziemlich blass da.
Da es immer um das Seinkönnen dessen geht, was die Liturgie bewusst macht, müsste doch das Glaubens und Heilsverständnis der Gottesdienstteilnehmer immer wieder weitergebildet werden.
Daran ist sicherlich gedacht, wenn man an das „Gebet des Volkes“ im Anschluss an die Wortverkündigung denkt. Aber da werden nur „Fürbitten“ angehängt, die im funktionalen Denken stehen bleiben und Gott als den anrufen, der alles „machen“ möge.
Gott ermöglicht die Fähigkeiten, an denen Menschen erkennen können, was sie mit Gott zu tun haben. Wenn sie das wissen, wissen sie auch, warum sie „sonntags zum Gottesdienst gehen“ sollen.