Pastor Holzauge, warum straft Gott die Menschen? Kann er sie nicht bessern?
· Sollte es so sein, dass Gott die Menschen straft, müsste ein gegensätzliches Bestreben in ihm sein. Das ist deswegen unmöglich, weil der Grund unseres Menschseins das authentische Menschsein Gottes ist. In seinem Menschsein können keine Widersprüche liegen.
Wenn ein Gläubiger jedoch sagt, Gott haben diese oder jene Naturkatastrophen über die Menschen kommen lassen, spricht doch das Lehramt aus ihm.
· Wenn er jedoch nicht die nötige theologische Kompetenz erworben hat, kann er genau so viel Unsinn reden wie andere Getaufte, die das Wirken Gottes mit den Kategorien von Ursache und Wirkung zusammenbringen. Das ist für den Alltagsverstand plausibel. Gott aber wirkt ermöglichend und nicht destruktiv.
Hat das Lehramt aber nicht immer an der Auffassung festgehalten, dass Schuld auch Strafe nach sich zieht? Anderenfalls wäre die Ablasslehre doch nicht zu halten.
· Ein Strafübel zu verhängen, ist scheint mir eine Ersatzhandlung dafür zu sein, dass man den Täter nicht bessern kann. Ob er sich bessert ist ungewiss. Also muss er wenigstens gebändigt werden. Auch Juristen geben zu, dass sie eigentlich nicht wissen, warum sie strafen. Deshalb nehmen sie auch Abstand vom sofortigen Vollzug der Bestrafung, wo es angebracht erscheint, oder die ändern die Art Bestrafung.
Ist es ein Unterschied, ob Gott verzeiht oder vergibt?
· Verzeihen heißt verzichten. Gott verzeiht in diesem Sinne nicht, dass er auf eine Bestrafung verzichtet, sondern er vergibt in dem Sinne, dass er dem Menschen alles gibt, um das Gute tun zu können. Das liegt im Wesen der Selbstmitteilung Gottes.