aquila non captat muscam
Tacitus – ‚Germania‘
Berlin, 11. 5. 09 Mo
Wenn in diesem Blogg derzeit nicht so viel los ist, dann hat das nicht nur mit dem Autor zu tun… Über die Ignoranz aber ein anderes Mal. Es ist ja gar nicht so, daß wir nichts aufzubieten hätten; in meim Fundus liegt genug rum, wie zB. der letzte Apho-Brief von Eo mit eim recht spannenden Thema und einer interessanten Lesung für Freitag.
Zahlenmagie ist ja nicht unbedingt jedermanns Sache – auch wenn ich einräumen muß, daß ich ein gewisses Faible für derlei Deutungskonzepte habe – aber die Zahl 9 vor allem als Jahreszahl scheint für uns Deutsche doch nun einmal eine gewisse Intensität und Schicksalsmächtigkeit zu besitzen. Man denke nur einmal an all die kleinen und großen Jubiläen und historischen Daten, die für dieses Jahr so alle anstehen und auf die ein oder andere Art begangen und gewürdigt werden wollen; als da wären 20 Jahre Mauerfall und Wende, 60 Jahre Grundgesetz, 70 Jahre Beginn des 2. WK, 90 Jahre Begründung der (Weimarer) Republik und dann noch dieses fast mythische Ereignis der Varus-Schlacht, der ominösen Schlacht im Teutowald also, die sich just in diesem Jahr zum 2000. Male jährt. Neben den vorgenannten Daten, die übrigens alle zehn Jahre aufs neue in den medialen Fokus rücken, jedenfalls das ‘rundeste’ von allen, das sonst nur in den Geschichtsbüchern steht und dessen in unserer Zeit doch eher selten öffentlich gedacht wird. Zweifelsohne war dies eine wahrhaft historische Entscheidung, bzw. eine von historischer Tragweite, die die Römer zwang, auf Dauer von weiteren Eroberungsversuchen abzusehen und sich mit dem bereits eroberten Teil Germaniens zufrieden zu geben und den Besitzstand mit einer befestigten Grenze in Gestalt des Limes abzusichern. Nicht wenige sagen ja heute, hätten sich doch die Germanen bloß nicht so geziert und so barbarisch dagegengehalten – und sich von den Römern die Zivililation mit all ihren Annehmlichkeiten bringen lassen; anstatt auf solch altmodischen Vorstellungen wie Freiheit und Selbstbestimmung zu beharren, für die man sich im Alltag, wie auch heute eher der Tenor geht, zumeist nur wenig kaufen kann. Aber damals hat man eben anders gedacht und sich jedenfalls im Norden erst einmal einer umfassenden, die eigene Identität bedrohenden kulturellen Bereicherung widersetzt. Tacitus verzichtete darauf, die fremden Barbaren, also die Germanen, als Haß- oder Feindbild darzustellen und stellte stattdessen ihre einfache doch unverdorbene und naturverbundene Lebensweise heraus. Sicherlich auch um den dekadenten Zeitgenossen in Rom und im Imperium einen Spiegel vorzuhalten … Alles in allem eigentlich ein Datum, auf das wir Deutschen mit einer gewissen Genugtuung zurückblicken können, da es zugleich den Willen und die Entschlossenheit deutlich macht, mit der die Urahnen der Deutschen ihre Vorstellung von Freiheit und Selbstbestimmung zu bewahren vermochten. Denn anders als bei unserem westlichen Nachbarn ist jene quasi mythische Figur namens Arminius oder Hermann, der Cheruskerfürst, eine historische Gestalt von großer politischer Tragweite gewesen und mußte nicht extra erfunden werden wie jener quirlige Gallier namens Asterix mitsamt seim Kumpan Obelix und dem kleinen unbeugsamen gallischen Dorf, um die historische Schmach nachträglich auf eine ironische, ja aberwitzige Art zu relativieren. Aus diesem Anlaß nun die nächste Lesung im
LI-LA
Literatur-Laden in
der Wilmersdorfer Str. 9
am Freitag, den 15. Mai 09
um 20.15 Uhr
Tacitus – ‚Germania‘
Eo Scheinder liest aus eim Klassiker
der Ethnografie – über die Germanen,
die Urahnen der Deutschen.
Kein bißchen verstaubt – auch heute noch
spannend und vor allem sehr aufschlußreich.
Hören Sie zur 2000. Wiederkehr
der legendären Varus-Schlacht,
was ein gebildeter Römer der Kaiserzeit
von den Germanen dachte und
über diese zu sagen hatte.
————–
….Musikspur: Liszt – Les Preludes (V. Neumann, Gewandhausorchester Leipzig)…
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Bogo (20.5.09 08:22) Tacitus und die Germanen. Les Préludes. Heute eher: Wehmütiger Abschied. Der Mensch „kommt aus Afrika“ – heute leider wirklich. Deutschland auf Nimmerwiedersehen. |
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