Pastor Holzauge, kann der Sinnvorrat des Lebens eines Tages verbraucht sein?
Mit dieser Befürchtung schwadroniert ein bedeutender Theologe seit Jahren herum, ohne bei irgend jemandem eine Antwort auszulösen. Was ist das überhaupt, was wir „Sinn“ nennen? Es ist das Gute, dass jeweils neu durch das Verhalten der Menschen in die Welt gekommen ist. Das könnte nur aufhören, wenn die Selbstmitteilung Gottes aufhört. Denn sie ist der ermöglichende Grund dafür, dass die Menschen das Unverzichtbare verwirklichen können.
Das weiß doch jeder Theologe. Warum redet aber einer ganz anders?
Sobald ein Mensch von einem Lebensentwurf, den er für allgemein maßgeblich hält, beherrscht wird, hält er alles, was davon abweicht, für den Anfang einer Katastrophe. Die großen Widersprüche, die sich in den Interessen der Menschen zeigen, sollten auf ihre Voraussetzungen hin untersucht werden. Kann man nicht wissen, warum es Elend und Jammer und alle anderen Sinnwidrigkeiten gibt? Nicht nur de facto, sondern hinsichtlich der Möglichkeit.
Wenn man das weiß, bleibt doch immer noch zu fragen, wie man das aus der Welt schaffen kann oder sogar vermeiden kann, was den Sinn des Lebens behindert oder zerstört.
Alles hängt von der Kraft ab, die ein Mensch hat. Die Botschaft Jesu übergeht dieses Problem nicht. „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28).
In der Heiligen Schrift heißt es auch: „Bittet um was ihr wollt, es wird euch gegeben.“ (Joh 15,7). Ist das der Ausweg?
Wenn Gott sein authentisches Menschsein verschenkt, steht das nicht neben den Menschen, sondern es befähigt sie, sein zu können, was sie sein sollen. Wie wir uns verhalten müssen, dass es dazu kommt, ist die Aufgabe der Theologie. Wenn sie das nicht zu sagen weiß, kann sie sich mit den Defiziten des Lebens beschäftigen. Wodurch unterscheidet sie sich dann von den Tagesmeldungen in den Medien?