Aquila non captat muscam

aquila non captat muscam

Strapazierte Begriffe

 Tapiau,
29. 4. 2010 Do

 
Aus aktuellem Anlaß, da morgen eine interessante Lesung ist …
 
Liebe Freunde,
liebe Leser des Apho-Briefs,

Kultur ist seit geraumer Zeit
einer der am meisten strapazierten Begriffe und allmählich zu einer nurmehr wohlklingenden Leerformel abgesunken,  die alles und nichts bezeichnen kann bzw. nichts an menschlichen Regungen und Hervorbringungen explizit ausschließt. Vor allem beliebt bei Verkaufsstrategen, die ihrem Produkt die Weihen von Exklusivität und Luxus verleihen wollen, wenn sie von Wein-, Wohn-, Fahr-, Genuß-, Koch,- Erlebniskultur (und wie dergleichen Komposita mehr lauten)  guruhaft herumschwadronieren. Kultur ist also zu eim
inhaltsleeren Allgemeinplatz verkommen, der zum einen dazu dient, gewisse Oberflächlichkeiten substanziell aufzupolieren und zum anderen alles und jeden miteinzuschließen, so daß auch  die Unkultur als eine spezielle Form der Kultur dem staunenden Publikum, ja als Steigerung und Überwindung derselben, gerne vollmundig und wortreich untergejubelt wird. Dabei ist Kultur als Gegensatz  zur Natur seiner Kernaussage nach ein uralter Begriff, der wohl bis ins Neolithikum zurückreichen dürfte und auf die Lebenswirklichkeit einer agrarischen, auf gut deutsch einer bäuerlichen Gesellschaft verweist. Und kultivieren, wie noch heute im Ursprungssinne gebräuchlich, meint in erster Linie eben den Boden bereiten, ihn durch gezielte und nachhaltige Eingriffe schweißtreibender Art soweit zu verändern, daß er bebaut werden kann, also zum Acker wird; oder zum Garten und hinfort reiche Frucht trägt. Somit ein wohlkalkulierter
Eingriff des Menschen in natürliche Zusammenhänge, um durch intensive Pflege
auf begrenztem Boden seine Existenz zu bestreiten. In diesen weit zurückliegenden Zeiten, als der Mensch sich zur Seßhaftigkeit entschloß, war die Kultur nicht so sehr Singen und Tanzen und schmückendes Beiwerk sondern schiere Notwendigkeit und sie zeigte sich nicht durch erlesenen Genuß des Wohlstands sondern vielmehr durch die Erzeugung desselben.  Soviel nun fürs erste zur Kultur und dem, was man mit diesem schillernden Begriff im Wechsel der Zeiten so alles verbindet.

Ausführlicher zu diesem weitläufigen und vielschichtigen Thema die nächste Lesung im LI-LA Literatur-Laden am Freitag, den 30. April 2010 um 20.15:

Friedrich Nietzsche – ‚Menschliches, Allzumenschliches‘ (V)

über die Anzeichen höherer und niederer Kultur – 5. Teil der Nietzsche-Reihe mit dem Schwerpunktthema:Freie Geister und gebundene Geister und die Dialektik von Entartung und Höherentwicklung.
Eo Scheinder liest Nietzsche.

Demnächst eine Lesung zum Themä
Der Zufall und das Schicksal


Die Lesung findet statt im LI-LA Literatur-Laden
in Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 9 –
Eintritt:  4 Euro,
erm. : 3 Euro.
Kartenvorbestellung:
Tel. 344 45 59
oder Email: [email protected]
 
Und hier geht’s noch ein wenung weiter zu den dumpfen und stumpfen Stummfischen
 
 
 


30.4.10 01:42


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